november 2026, 138 s., kart., format 225 x 155 mm
isbn 978-3-911679-15-2
reihe Das regionale Fachbuch
auch als ebook (PDF) erhältlich
Historische Ethnologie bedeutet in der Forschungspraxis erkenntnistheoretische Provokationen und Herausforderungen: Wie lassen sich diverse Lebenswelten und soziokulturelle Dynamiken in der Vergangenheit untersuchen und dabei dem Anspruch der Ethnologie gerecht bleiben, indigene Blickwinkel einzunehmen, die Perspektiven zu wechseln, ins lokale Leben einzutauchen? Kann eine solche Zeitreise gelingen? Anhand von Fallbeispielen aus Festland-Südostasien, mit besonderem Augenmerk auf das laotische Hochland, diskutiert dieses Buch innovative theoretische und methodologische Ansätze an der Schnittstelle von ethnographischer Feldforschung und geschichtswissenschaftlichen Archivstudien.
Im Mittelpunkt steht ein dreifacher analytischer Fokus: Marginalität, Mobilität und Mimesis. Mit diesen konzeptuellen Tools wird der Blick auf die diffusen Ränder und toten Winkel der Geschichte gerichtet, auf marginalisierte Stimmen und Perspektiven. Die hier formulierte historische Ethnologie nimmt entsprechend eine kritisch-reflexive epistemologische Haltung ein, wenn sie sich Themen wie ungleiche Arbeitsbeziehungen oder mimetische Aneignungsprozesse widmet. Laos als kulturell vielfältige historische Frontier und Reibungszone erweist sich dabei als ein facettenreiches Forschungsfeld.
Die Analyse beschränkt sich jedoch nicht nur auf ethnohistorische Tiefenbohrungen an den Randbereichen von hegemonialen Geschichtsnarrativen, sondern widmet sich auch der Frage, wie die Geschichte mit ihren Brüchen und Ambiguitäten nachhallt und auf die Gegenwart einwirkt. Wie sind vergangene und gegenwärtige Lebenswelten miteinander verflochten? Oliver Tappe montiert, als anthropologischer bricoleur, die Bruchstücke der Geschichte – geborgen in Archiven, Geschichtsdiskursen und lokalen Erzählungen –, um damit sowohl ein Verständnis vergangener Lebenswelten als auch gegenwärtiger soziokultureller Konfigurationen vor Ort zu erreichen. Damit setzt dieses Buch neue Impulse in der historischen und ethnologischen Südostasienforschung.